Warmes Wasser = weniger Sauerstoff
Sauerstoffmangel im Teich bei Hitze: Was Stadtgewässer jetzt brauchen
Hohe Wassertemperaturen, sinkende Sauerstoffreserven, Algenwachstum und im schlimmsten Fall Fischsterben: Kleine und flache Stadtgewässer reagieren besonders empfindlich auf sommerliche Hitze. Am Russenweiher in Speyer zeigt sich, warum es sinnvoll sein kann, den Sauerstoffhaushalt eines belasteten Gewässers dauerhaft zu stabilisieren – und technische und naturbasierte Maßnahmen zusammenzudenken.
Warmes Wasser kann weniger Sauerstoff aufnehmen
Wenn sich ein Teich im Sommer stark erwärmt, verändert sich nicht nur seine Temperatur. Mit steigender Wassertemperatur nimmt die Löslichkeit von Sauerstoff im Wasser ab. Gleichzeitig laufen viele biologische Prozesse schneller ab und verbrauchen zusätzlichen Sauerstoff.
Besonders kritisch kann die Situation am Gewässergrund werden. Dort bauen Mikroorganismen organisches Material wie abgestorbene Algen, Pflanzenreste, Laub und andere Biomasse ab. Wird dabei mehr Sauerstoff verbraucht, als nachgeliefert werden kann, entstehen sauerstoffarme bis anaerobe Verhältnisse.
Für die Beurteilung eines Gewässers reicht daher eine Momentaufnahme des Sauerstoffgehalts allein nicht aus. Ebenso wichtig ist die Frage, welche Prozesse dauerhaft an der Grenzschicht zwischen Wasser und Sediment ablaufen.
Der Russenweiher: ein Stadtgewässer unter Stress
Der Russenweiher in Speyer beschäftigt die Stadt bereits seit vielen Jahren. Untersuchungen der damaligen Universität Koblenz-Landau identifizierten unter anderem die hohe Phosphorbelastung als zentrale Herausforderung. Erschwerend kommt hinzu, dass kontinuierlich phosphatreiches Grundwasser in den Weiher strömt. Diese Belastungsquelle lässt sich nicht einfach abstellen.
Hinzu kommen organische Ablagerungen und fortschreitende Verlandungsprozesse. Unter ungünstigen Bedingungen können Sauerstoffdefizite entstehen. Sauerstoffarme Verhältnisse an der Sedimentoberfläche können wiederum die Rücklösung von gebundenem Phosphor begünstigen und so die Nährstoffbelastung im Wasser verstärken.
Für die Stadt stellte sich damit eine grundsätzliche Frage: Wie lässt sich ein solches Gewässer langfristig stabilisieren, ohne wiederholt massiv in das bestehende Ökosystem einzugreifen?
Speyer entscheidet sich für eine kontinuierliche Belüftung
Nach einer längeren Entscheidungsphase ließ die Stadt Speyer Ende November 2025 eine flächig wirkende Belüftung am Gewässergrund installieren. Seit Dezember 2025 führt das lineare DRAUSY-System dem Teichboden kontinuierlich Umgebungsluft zu.
Anders als bei einzelnen, punktuell arbeitenden Belüftern geht es nicht darum, möglichst große Luftmengen sichtbar in den Wasserkörper einzutragen. Über am Gewässergrund verlegte Belüftungslinien werden kleine Luftmengen fein verteilt abgegeben.
Ziel ist es, die Sauerstoffverfügbarkeit insbesondere an der Grenzschicht zwischen Wasser und Sediment zu verbessern. Der in der Umgebungsluft enthaltene Sauerstoff steht damit den natürlichen aeroben Abbau- und Selbstreinigungsprozessen des Gewässers zur Verfügung.
Die Belüftung ist nicht nur als Notfallmaßnahme für bereits eingetretene kritische Situationen gedacht. Sie ist auf einen kontinuierlichen und möglichst energiearmen Betrieb zur vorbeugenden Stabilisierung des Sauerstoffhaushalts ausgelegt.
Die Anglerfreunde Speyer e. V. begleiten den Russenweiher seit Jahrzehnten und unterstützten auch die Installation. Auf ihrer Website dokumentieren sie den Einbau vom 27. November 2025 mit Bildern: Drei Schlauchrollen wurden vom Boot aus in mehreren Schleifen auf dem Gewässergrund verlegt; Kompressor und Steuerung befinden sich außerhalb des Weihers in einem gedämmten Container. Damit macht der Verein die technische Umsetzung vor Ort transparent und hält zugleich Beobachtungen zur weiteren Entwicklung des Gewässers fest.
Weitere Informationen zum System und zur Installation: Anglerfreunde Speyer – Unser Belüftungssystem

Der Russenweiher im Januar 2026: Auch unter einer Eisdecke wird der Gewässergrund kontinuierlich mit fein verteilter Umgebungsluft versorgt. Wasser ist nicht immer flüssig – die biologischen Prozesse im Gewässer kommen im Winter dennoch nicht vollständig zum Stillstand. Foto: DRAUSY GmbH.
Der heiße Sommer 2026 als erster Praxistest
Am 19. August 2026 berichtete die RHEINPFALZ über die aktuelle Situation am Russenweiher. Nach Angaben der Anglerfreunde Speyer wurden trotz hoher Wassertemperaturen Sauerstoffkonzentrationen zwischen 7,4 und 8,4 Milligramm pro Liter gemessen.
Vor dem Hintergrund der früheren Sauerstoffprobleme sind diese Werte erfreulich. Sie sind jedoch als Momentaufnahme einzuordnen. Wenige Monate Betriebszeit und einzelne Messwerte ersetzen weder eine belastbare Zeitreihe noch ein langfristiges gewässerökologisches Monitoring.
Um die Entwicklung fachlich zu bewerten, müssen unter anderem Wassertemperatur, Sauerstoff-Tagesgang und Tiefenprofil, Nährstoffdynamik, Sediment, Vegetation und biologische Gemeinschaften über längere Zeiträume beobachtet werden.
Der erste Sommer liefert dennoch einen ermutigenden Zwischenstand: Auch unter hoher thermischer Belastung wurden am Russenweiher gute Sauerstoffwerte gemessen. Ob und in welchem Umfang die kontinuierliche Belüftung das Gewässer langfristig stabilisiert, muss die weitere Entwicklung zeigen.
Die Beobachtungen der Anglerfreunde sind dabei wertvoll, weil der Verein regelmäßig vor Ort ist und Veränderungen unmittelbar wahrnimmt. Sie ersetzen keine standardisierte wissenschaftliche Untersuchung, ergänzen das technische und gewässerökologische Monitoring jedoch um wichtiges lokales Erfahrungswissen.

Algenentwicklung im Frühjahr 2026: Ein sichtbarer Algenteppich ist kein Widerspruch zu guten Sauerstoffwerten. Sauerstoffhaushalt, Nährstoffverfügbarkeit und Algendynamik hängen zusammen, reagieren aber unterschiedlich schnell. Die ökologische Entwicklung eines belasteten Gewässers muss deshalb langfristig betrachtet werden. Foto: DRAUSY GmbH.
Technik oder Natur? Diese Gegenüberstellung greift zu kurz
Bei der Gewässersanierung entsteht schnell ein vermeintlicher Gegensatz: auf der einen Seite technische Lösungen, auf der anderen Seite ökologische oder naturbasierte Maßnahmen. Für komplexe Gewässer ist diese Trennung häufig wenig hilfreich.
Flachwasserbereiche können Lebensräume schaffen. Schilf- und Ufervegetation erhöhen die Strukturvielfalt. Ein an das Gewässer angepasster Fischbestand kann das ökologische Gleichgewicht unterstützen. Biodiversitätsbereiche bieten Rückzugsräume. Eine ausreichende Sauerstoffverfügbarkeit wiederum kann dazu beitragen, dass biologische Abbau- und Selbstreinigungsprozesse auch unter Belastung funktionieren.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: Technik oder Natur?
Sondern: Welche Kombination unterstützt die natürlichen Prozesse dieses konkreten Gewässers am besten?
Klimaanpassung beginnt vor dem Fischsterben
Mit zunehmenden Hitzeperioden steigt der Handlungsdruck für Kommunen. Kleine urbane Gewässer sind Lebensräume, prägen Grünanlagen, schaffen Aufenthaltsqualität und bilden einen wichtigen Bestandteil der blau-grünen Infrastruktur. Gleichzeitig reagieren gerade flache und nährstoffreiche Gewässer empfindlich auf lang anhaltende Wärme.
Wer sie erhalten möchte, sollte deshalb nicht erst handeln, wenn Fische an der Oberfläche nach Sauerstoff suchen oder eine massive Algenblüte sichtbar wird. Klimaanpassung bedeutet auch, die ökologischen Voraussetzungen dafür zu verbessern, dass ein Gewässer Belastungsphasen besser bewältigen kann.
Dabei geht es nicht in erster Linie darum, kurzfristig einen optisch „schönen Teich“ herzustellen. Entscheidend ist, die Bedingungen für ein stabileres ökologisches Gleichgewicht zu verbessern. Wenn die natürlichen Prozesse wieder tragfähiger funktionieren, kann sich dies langfristig auch im Erscheinungsbild des Gewässers zeigen.
Der Russenweiher in Speyer ist dafür ein interessantes Praxisbeispiel. Winterbilder, die Algenentwicklung im Frühjahr und die Sauerstoffmessungen im heißen Sommer machen deutlich: Die Natur arbeitet – aber nicht linear und nicht nach rein optischen Maßstäben.
Die weitere Beobachtung wird zeigen, wie sich die kontinuierliche Stabilisierung des Sauerstoffhaushalts langfristig auf Wasserqualität, Sediment und Lebensgemeinschaften auswirkt. Die ersten Erfahrungen aus dem Sommer 2026 sind ermutigend, aber noch kein abschließender Wirksamkeitsnachweis.
Naturprozesse folgen den Bedingungen, die in einem Gewässer herrschen. Genau dort setzt eine nachhaltige Gewässerbehandlung an.
Quellen und weiterführende Informationen
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Stadt Speyer: Russenweiher erhält modernes DRAUSY-Belüftungssystem, Medieninformation vom 19. November 2025.
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Anglerfreunde Speyer e. V.: Unser Belüftungssystem – Installation am 27.11.2025, veröffentlicht am 7. Dezember 2025.
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Anglerfreunde Speyer e. V.: Zustand des Russenweihers hat sich deutlich gebessert, veröffentlicht am 15. Januar 2026.
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DIE RHEINPFALZ, Ausgabe Speyer, Martin Schmitt, Beitrag vom 19. August 2026. Ein dauerhaft erreichbarer Direktlink zum Artikel war zum Zeitpunkt der redaktionellen Bearbeitung nicht verifizierbar.
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Stadt Speyer: Informationen zum Russenweiher.

